Freitag, 19. November 2010

"Man kann froh sein, dass die Chilenen kein deutsches Fernsehen empfangen konnten"

Smilies Die Rettung der Bergleute aus der Sicht eines deutschen Psychiaters Smilies

Aus dem Interview mit dem Psychiater Manfred Lütz in der Welt, "Die Tyrannei der Normalität":

DIE WELT: Aber ist da nicht längst ein neues Kapitel aufgeschlagen worden? Lösen Psycho-Runden im Fernsehen nicht fast schon die alten Doktorspiele ab? Hatten bei dem Grubenunglück in Chile Ihre Kollegen nicht weltweit auf allen Kanälen Hochkonjunktur?

Lütz: Ja, doch das war leider kein Ruhmesblatt für unsere Zunft. Da konnte man tatsächlich - auch in Deutschland - immer wieder sogenannte Psycho-Trauma-Experten sehen, die den chilenischen Bergleuten wortreich erklärten, welche Symptome sie jetzt gefälligst zu bekommen hätten. Da konnte man froh sein, dass die Chilenen kein deutsches Fernsehen empfangen konnten. Der Gruppenzusammenhalt da unten und das Gefühl, von einer solidarischen Euphorie im ganzen Land getragen zu sein, haben diese Menschen wahrscheinlich vor größeren Beeinträchtigungen geschützt.

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